Isabelle Vandeplassche x Doede Market

 

 

In einem kleinen Fischerdorf in Portugal lebt die belgische Künstlerin Isabelle Vandeplassche. In ihren Werken fängt sie die kleinen Momente des Alltags ein, die Ruhe, aber auch Verspieltheit mit sich bringen. Genau hier berühren ihre Arbeiten das, was Doede bewegt: das Staunen, das immer nah ist, sich aber erst zeigt, wenn man langsamer wird. Doch dieses Staunen kann einem die Freude schenken, die man als Kind empfand, als das Leben noch so klein und die Welt gleichzeitig so groß erschien.

Bei Doede Market glauben wir, dass die Kindheit und der Ort, an dem man aufwächst, für die folgenden Jahre so wichtig sind. Dieser Ort wird durch Erinnerungen geformt, die sich in vielleicht alltäglichen Gegenständen verbergen, die man später als Objekte betrachtet, mit denen man seine Kindheit pflegt.

Isabelles Werk zeigt das Staunen, das im Alltag verborgen liegt, das der Mensch heutzutage oft nicht sieht, weil wir so hastig durch das Leben gehen. Ihre Arbeit lässt uns wieder innehalten, erinnert uns daran, wie nah Schönheit und kleine Freuden sind.

Für Doede Market entwickelte Isabelle eine Serie von Drucken, in denen sie ihre Kindheitserinnerungen sprechen lässt. Wir sind gespannt, wie diese frühen Jahre sie zu der gemacht haben, die sie heute ist, und welche Erinnerungen sie am meisten schätzt.

 

 

Eine Kindheit zwischen Gras, Blumen und Tieren

Wenn Isabelle an ihre Kindheit zurückdenkt, erscheint sofort ein Bild von Freiheit.

"Spielen in der Natur, durchs Gras rennen, zwischen Blumen und Sträuchern verloren gehen, die Sonne auf meinem Gesicht und überall kleine Entdeckungen zu machen. Es fühlte sich sorglos und unendlich an."

Diese Verbundenheit mit der Natur fand ihre Form in dem großen Garten, in dem sie aufwuchs. Ein Ort mit Ziegen und Hühnern, wo es immer etwas zu entdecken gab und wo die Zeit einen anderen Rhythmus zu haben schien. Es war eine Umgebung, die Raum zum Umherschweifen, Beobachten und Erkunden der Welt im eigenen Tempo bot.

 

          

 

Gerüche, Geräusche und Geborgenheit

Manche Erinnerungen bleiben nicht als Bild haften, sondern als Geruch oder Geräusch. Für Isabelle sind das der Geruch von nassem Gras und frischer Landluft sowie das Geräusch von Hühnern und spielenden Kindern im Hintergrund. Kleine Eindrücke, die sie sofort in die Vergangenheit zurückversetzen. Aber noch wichtiger sind vielleicht die Rituale, die ihr in Erinnerung geblieben sind. Die Nachmittage bei ihren Großeltern zum Beispiel.

"Jeden Mittag bei meiner Oma und meinem Opa essen gehen. Die Wärme ihres Hauses, das Gefühl der Geborgenheit und die kleinen Rituale, die immer gleich waren."

Es sind genau diese einfachen Momente, die sich später oft als die wertvollsten erweisen.

 

 

Der erste Drang zu schaffen

Schon in jungen Jahren war Isabelle ständig mit Gestalten beschäftigt.

"Ich habe immer Dinge gemacht: gezeichnet, gemalt, aber auch mit Perlen gearbeitet."

Dieses Schaffen war kein gelegentliches Hobby, sondern eine selbstverständliche Art zu sein. Stundenlang konnte sie in einer Zeichnung, einem Gemälde oder einem selbstgemachten Objekt verschwinden. Diese Konzentration und Hingabe erkennt sie auch heute noch in ihrer Arbeitspraxis.

"Immer noch fühlt es sich an, als würde die Zeit verfliegen, wenn ich etwas erschaffe."

Ihre Kindheitserinnerungen haben auch eine Farbpalette, die direkt Emotionen hervorruft. Nicht unbedingt spezifische Töne, sondern Farben, die Verspieltheit und Lebendigkeit ausstrahlen. Farben, die die Unvoreingenommenheit einer Kindheit widerspiegeln.

 

Wenn Erinnerungen ihren Weg in die Kunst finden

Interessanterweise begann Isabelle nicht bewusst damit, Kindheitserinnerungen in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Diese fanden allmählich ihren eigenen Weg auf das Papier.

"Das hat sich eigentlich von selbst eingeschlichen. Ohne dass ich bewusst darüber nachdachte, kehrten Bilder und Gefühle von früher in meine Arbeit zurück."

Darin sieht sie auch eine Reaktion auf die Zeit, in der wir leben. Eine Welt, in der alles schneller gehen muss, während sie gerade von Langsamkeit und Aufmerksamkeit angezogen wird.

"Ich liebe kleine Dinge und kleine Momente. Objekte, die Nostalgie wecken. Das Analoge, das Greifbare und Vertraute. Dinge, die Erinnerungen zurückbringen."

Diese Sehnsucht nach dem Greifbaren und dem Alltäglichen ist in ihrem Werk deutlich sichtbar. Ihre Bilder laden dazu ein, länger hinzusehen und dem, was wir normalerweise übersehen, neue Bedeutung zu verleihen.

Das Kind, das blieb

Wenn Isabelle betrachtet, wer sie früher war und wer sie heute ist, sieht sie vor allem Kontinuität.

"Ich bin von Natur aus introvertiert und kann mich immer beschäftigen: lesen, gestalten, entdecken. Diese Neugier, der Drang zu schaffen und zu erfinden, ist nie verschwunden."

Auch in ihrem Atelier sind Spuren derselben Neugierde sichtbar. Ihr Schrank voller Farben, Pinsel, Perlen und Papier erinnert sie nicht nur an früher, sondern ist immer noch eine Einladung zum Experimentieren und zum Schaffen von Neuem.

Das Kind, das stundenlang zeichnen und sammeln konnte, lebt in der Künstlerin weiter, die heute die Schönheit des Alltags festhält.

Und wenn sie ihrem jüngeren Ich eines mit auf den Weg geben könnte?

"Dass sie einfach so weitermachen soll."

Vielleicht liegt darin auch die Essenz ihrer Arbeit. Eine Einladung, an der Neugier festzuhalten, Raum für Staunen zu schaffen und die kleinen Dinge nicht aus den Augen zu verlieren. Denn oft sind es gerade diese Momente – ein Geruch, ein Ritual, ein Sonnenstrahl auf dem Gras – die uns am meisten in Erinnerung bleiben. Und die uns, für einen Moment, mit dem offenen Blick eines Kindes sehen lassen.

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